Der Küchenchef empfiehlt
Der 1930 in Mailand geborene Gualtiero Marchesi gilt als der Gründer der „neuen italienischen Küche“. Schon in jungen Jahren kam er im Familienhotel mit der Gastronomie in Berührung, bildete sich in der Schweiz und anschließend in Frankreich in Sternerestaurants weiter, wo er die Techniken der internationalen Haute Cuisine verinnerlichte.
1977 eröffnete er sein Restaurant in Mailand und erhielt auf Anhieb einen Michelin-Stern und 1985 als erster in Italien drei Sterne. In den 1980er Jahren revolutionierte er das Gastronomiekonzept, indem er jedes Detail pflegte: von der Küche bis zur Einrichtung, von den Eigenmarken-Lebensmitteln bis zur Zusammenarbeit mit Ernesto Illy für eine personalisierte Kaffeemischung.
Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen: Ritter des Verdienstordens der Italienischen Republik (1986), Komtur (1991), französische und internationale Ehrungen, darunter den „Grand Prix Mémoire et Gratitude“ (2002) und den „Lifetime Achievement Award“ (2008). Er gehörte zu den Gründern von Euro-Toques International, dessen Ehrenpräsident er wurde.
In den 1990er und 2000er Jahren eröffnete er Restaurants in Italien und im Ausland (London, Paris, Rom, Japan), experimentierte mit neuen Formaten (Bistros, Kreuzfahrten, Fertiggerichte) und widmete sich der Ausbildung, indem er die Italian Culinary Academy in New York und die Accademia Gualtiero Marchesi in Mailand gründete. 2008 gab er die Michelin-Sterne freiwillig zurück, da er sich von Bewertungen „befreit“ fühlte.
Als Botschafter der italienischen Küche in der Welt erhielt er Ehrendoktortitel, Auszeichnungen für sein Lebenswerk und Ehrungen, darunter das Siegel der Stadt Mailand (2015). Im Jahr 2016 fand seine Stiftung ihren Sitz in der Villa Mylius, Varese. Er starb 2017 und hinterließ ein kulturelles Erbe, das Küche, Kunst und Innovation vereint.